NORMEN

LEISE, GANZ LEISE

Einen weiter verbesserten Schutz vor Aufzuggeräuschen innerhalb von Gebäuden verspricht die in Arbeit befindliche Überarbeitung der VDI-Richtlinie 2566. Gleichwohl sollten sich Hersteller und Kunde intensiv austauschen, um Beeinträchtigungen der Gebäudenutzer durch Lärm und Körperschall zu vermeiden. Baulich ist einiges möglich.

S
chall ist nur schwer zu fassen. Nicht nur, weil er sich auf ungeahnten Wegen im Gebäude verbreiten kann. Sondern auch weil die Frage, ob ein Geräusch schon als störender Lärm einzustufen ist, nur schwer zu entscheiden ist. Denn ob und wie Geräusche wahrgenommen werden, hängt von vielerlei, oft subjektiven Momenten ab. Wer aktiv Musik hört, mag laute Bässe genießen. Wer in der Nachbarwohnung aber seine Ruhe haben will, wird vom Wumm-Wumm der Stereoanlage um den Schlaf gebracht, selbst wenn es bei ihm kaum noch zu hören ist. Die Lautstärke selbst ist dabei nicht unbedingt das Problem.

WENN GERÄUSCH ZU LÄRM WIRD

Ähnlich verhält es sich mit Aufzügen: Besonders ältere Anlagen mit Relaissteuerungen und dem typischen Klacken der Bremse geben charakteristische Geräusche ab, die von manchen Menschen gerade deshalb als unangenehm empfunden werden, weil sie erwartbar sind. Wenn der Nachbar seine Wohnungstür schließt, wird gleich der Aufzugantrieb laufen ... Andere könnten sich durchaus an das Geräusch der Anlage gewöhnen, wenn es sich nicht verändern würde. Denn voll besetzt klingt der Aufzug anders als bei einer Leerfahrt, abwärts anders als aufwärts. Für Architekten, Planer und Aufzughersteller ist diese Situation nicht einfach, stellt jedes Bauwerk letztlich einen akustischen Einzelfall dar, der aus der Konstruktion des Gebäudes, seiner Nutzung und den Nutzern resultiert.

Gleichwohl hat sich die Branche des Problems schon seit Längerem angenommen. KONE etwa hat bei der zweiten Generation des MonoSpace®, die 2012 unter den Bezeichnungen MonoSpace® 500 und 700 eingeführt wurde, die Lärmemissionen so weit reduzieren können, dass die Anlagen die Empfehlungen von Blatt 2 der VDI-Richtlinie 2566 für maschinenraumlose Aufzüge unterschreiten – sofern die baulichen Voraussetzungen eingehalten werden. So sollte die einschalige Schachtwand eine Masse von 580 kg/m2 nicht unterschreiten.

RICHTWERTE SINKEN

Auch wenn die Vorgaben der Richtlinie naturgemäß pauschaler Natur sind, so sind sie doch für Planer erste Richtschnur, wenn es um Lärmvermeidung geht. Dabei empfiehlt das Regelwerk verschiedene Grenzwerte in Abhängigkeit vom Standort des Hörers. So sollten bei Betrieb der Anlage im Schacht 62 dB(A), in der Aufzugkabine selbst 55 dB(A) nicht überschritten werden.

Derzeit arbeiten die Fachleute an einer Überarbeitung der Richtlinie. Durch Zusammenfassung von Blatt 1 für Aufzüge mit Maschinenraum und Blatt 2 für maschinenraumlose Systeme soll das Regelwerk vereinfacht werden. Darüber hinaus wird eine Erhöhung der Schachtwandmasse auf 800 kg/m2 angestrebt.

In Kombination mit technischen Verbesserungen der Aufzugsysteme selbst (sofern sie denn notwendig sind) sollen Lärmpegel weiter abgesenkt werden: einmal unter die derzeit empfohlenen 25 dB(A) in Räumen, die durch zwei Wände – also durch einen Zwischenraum wie ein Treppenhaus – vom Aufzug getrennt sind; zum anderen unter die 30 dB(A) in direkt angrenzenden schutzbedürftigen Räumen, also Kinder-, Wohn- und Schlafzimmern. Dort könnte es auf eine Halbierung des Geräuschpegels hinauslaufen: Der Aufzug wäre leiser als das Summen eines Kühlschranks. Gleichwohl entbinden auch die neuen Grenzwerte Betreiber und Aufzughersteller nicht von der Pflicht, sich vor Vertragsabschluss über die konkreten Einsatzbedingungen des neuen Aufzugs und daraus möglicherweise resultierende besondere Erfordernisse zu verständigen, wie es die Norm für Aufzug- Neuanlagen DIN EN 81-20 fordert.

INDIVIDUELLE LÖSUNGEN

Das gilt vor allem für ältere Gebäude, in denen schutzbedürftige Räume direkt an Maschinenraum oder Schacht grenzen und/oder dessen Wände eher „dünn“ ausgeführt wurden. Ähnlich sieht es bei der Nachrüstung bestehender Gebäude aus. Ein Stahl-Glas-Schacht sieht zwar schick aus, hat aber keinerlei Dämpfungswirkung. In einem engen Hinterhof kann also der Betonschacht die bessere Wahl sein, um Belästigungen der Nachbarn auszuschließen.

Doch auch bei Neubauten reichen die Vorgaben der VDI-Richtlinie unter Umständen nicht aus. Das leise Summen des Aufzugs wird im Bürogebäude durch die Umgebungsgeräusche keiner bemerken, in den Zimmern und Suiten eines hochwertigen Wohngebäudes oder eines Luxushotels könnte es jedoch eventuell Verärgerung auslösen. Für diese Fälle bietet sich die Verwendung spezieller Komponenten an.

So kann der Einsatz von Hochleistungstürsystemen aufgrund ihrer Einstellmöglichkeiten und der Verschlussmechanik sinnvoll sein. Auch gibt es konstruktive (und bewährte) Sonderlösungen: zum Beispiel eine Sandfüllung der Schienen des Gegengewichts und die besonders sorgfältige Justierung der Führungsschienen für die Kabine. Hier müssen Kunde und KONE abwägen, ob Mehraufwand und Nutzen in einem sinnvollen Verhältnis stehen.

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